Home
Info
Events
Downloads
Kontakt
- Autor des Romans "Der einzige Ort" und Bachmannpreisträger unterstützt das
Mali-Projekt mit folgendem Text:
- Timbuktu ist heute
ein Städtename, der in den meisten Europäern vage Ideen von Exotik und Ferne
weckt; Reisende, die Timbuktu, eine Wüstenstadt in Mali, am Rand der Sahara und
nah am Niger, betreten, sind auf den ersten Blick oft enttäuscht; dann aber ersetzt
meist eine neue Faszination den Klang des Namens: als wäre zwischen den
gleichförmigen Lehmhäusern, in den staubigen Straßen, durch die sich Tuaregs
mit blauem Litham, in leuchtende Stoffe gehüllte Mandingo- und Bambara-Frauen,
weiß gekleidete Araber und Berber bewegen, noch etwas von der glanzvollen
Geschichte des Ortes zu spüren.
- Vor Jahrhunderten,
zur Zeit der großen afrikanischen Königreiche von Melle und Songhay, war
Timbuktu ein Zentrum islamischer Gelehrsamkeit, mit tausenden von Studenten und
reichhaltigen Bibliotheken; noch die ersten Europäer, die vor fast zweihundert
Jahren in die eigentlich für sie verbotene Stadt gelangten, wurden von
wohlhabenden Kaufleuten gastfreundlich aufgenommen.
- Heute ist Mali eines
der ärmsten Länder der Welt; Jahrhunderte des Sklavenhandels, ein Jahrhundert
der europäischen Kolonisierung, die ökonomischen Ungleichgewichte der Gegenwart
haben vieles von den alten Traditionen zerstört, ohne etwas neues an ihre
Stelle zu setzen. Zugleich aber gibt es, gerade in den letzten Jahren, viele
Zeichen des Aufbruchs in Mali; speziell in Timbuktu versuchen Initiativen, an
die große kulturelle Bedeutung des Orts anzuschließen; ich nenne nur das Musik-Festival
au Desert oder den Plan für die Errichtung einer neuen Bibliothek.
- Dabei kann es nicht
um die Illusion gehen, in ein goldenes Zeitalter zurückzukehren, vielmehr
darum, heute Afrika in seiner Vielfalt und seinem Reichtum neu zu
entdecken, etwas anderes sein zu lassen als ein Synonym für Marginalisierung
und Armut.
- Es ist kein
Naturgesetz, dass „wir“, die Europäer, Wohlstand und Bildung genießen, während
„unten“, in Afrika, Chaos und Armut herrschen; dass die Afrikaner für „uns“
bloss Objekte sind - Objekte der Gewalt von Sklavenhändlern, Kolonialisten,
einer ungerechten Wirtschaftsordnung; oder Objekte für exotistische Neugier,
für eine missionarische Art von Hilfe. All das war einmal anders und kann
wieder anders sein.
- Bildung und
Gesundheitsversorgung sind grundlegende Voraussetzungen für die Entwicklung
eines neuen kulturellen Selbstbewusstseins. Die Pinasse des Mali-Projekts, die
die Dörfer am Niger zwischen Mopti und Timbuktu besuchen wird, kann einen Teil
dazu beitragen. Es ist, sozusagen, ein Projekt, das nicht vom Himmel fällt,
sondern dem alten Rhythmus des Flusses folgt; ein Projekt, das unterstützt,
ohne zu bevormunden, auf die Tradition eingeht und gleichzeitig einen Schritt
aus der Isolation und Marginalisierung hinausführt.